- Hat sich mein Aufgabenbereich im Projekt inzwischen schon wieder geändert. Da die neunten Klasse seit einiger Zeit eine amerikanische Englischlehrerin aus dem „Bolivar“ (der teuersten Privatschule Calis, nordamerikanisch, zweisprachig und in Partnerschaft zu meiner Schule stehend) hat, die sie einmal die Woche drei Stunden umsonst unterrichtet, haben wir entschieden, dass es sinnvoller sei, wenn ich in anderen Klassen im Englischunterricht helfe, die nicht das Glück einer ausgebildeten Englischlehrerin haben. Daher unterrichte ich jetzt nicht mehr in der neunten Klasse, dafür aber in der sechsten, siebten und achten Klasse. (Und wie immer in der vierten Klasse)
- Wird unsere Internetverbindung von Woche zu Woche schlechter, falls sie den überhaupt vorhanden ist. Dieses Wochenende habe ich zu Hause beispielsweise aus unerfindlichen Gründen mal wieder kein Internet. Diesen Bericht schicke ich von der Arbeit aus. Wenn Internet da ist, kann ich zwar meist Emails verfassen, aber die Verbindung ist zu schwach, um diese zu verschicken. Die Skype-Gespräche werden zunehmend anstrengender, weil man nichts versteht und die Verbindung abbricht. Facebook funktioniert meist noch am besten.
- Bin ich in den vergangenen Monaten viel gereist. Im März war ich mit meinem Vater zwei Wochen im Norden Kolumbiens. Das war sehr schön und interessant. Wir haben eine wunderschöne fünftägige Dschungel-Wanderung zu einer „verlorenen (Indianer-)Stadt“ gemacht, die alte Piratenstadt und Perle der Karibik Cartagena besucht und einige Tage auf einer einsamen Insel verbracht – mit Kentern in den Wellen des karibischen Meers, beim Versuch, diese im Kanu zu umrunden. Glücklicherweise waren gerade hilfsbereite kolumbianische Fischer in der Nähe, so das Kanu und Mannschaft heil wieder ans Ufer gelangt sind (paddelnd!). Bei einer anderen abenteuerlich-feuchten Bootsfahrt konnten wir feststellen, das der Verkehr zu Wasser hier nicht weniger aufregend ist, als der zu Land.Auf dem Rückweg nach Cali habe ich noch einige Tage in Medellin verbracht, wo ich nach der relativen Sicherheit des touristischen Nordens gleich wieder die Harte Seite Kolumbiens zu spüren bekommen habe. Es gab unheimliche Polizei- und Militärpräsens. Als ich mit einem Freund in der Uni war, wurden auf deren Hof plötzlich Sprengsätze gezündet und als wir an einer Straßenkreuzung standen, jagten auf einmal zwei Motorräder an uns vorbei und der eine Polizist auf dem hinteren Motorrad schoss auf die Insassen des vorderen Motorrads. Ich weiß nicht warum. Vielleicht handelte es sich um Diebe. Außerdem gab es in der Uni eine Veranstaltung über die Paramilitärs, weil diese in der Woche davor einen Studenten ermordet hatten.
Auch aus Medellin bin ich jedoch unbehelligt herausgekommen.
In der Osterwoche war ich dann mit sieben anderen Freiwilligen in Ecuador, habe den Äquator besucht und war erstmals auf der Südhalbkugel dieses Planeten. Es war eine sehr lustige Reise, besonders da ich keine Stimme hatte und so die ersten vier Tage geschwiegen habe wie ein Grab – was beim Feilschen sehr nützlich war. Die ecuadorianische Bevölkerung ist übrigens sehr viel indigener und in sich gekehrter als die Kolumbianer und das Klima kühler.
4. Nimmt in letzter Zeit auch in Cali die Polizei- und Militärpräsens deutlich zu. Auch um unser Kloster und im anliegenden Park. Aber keiner sagt etwas dazu. Keine Ahnung, was ich davon halten soll. Manchmal würde ich sie gerne fragen, was sie hier machen, was denn los sei. Aber seitdem Jonas von einem Polizisten ausgeraubt wurde, traue ich ihnen nicht mehr. Außerdem sind es Männer, Kolumbianer, die in ihrer Langeweile so schon vorbeigehenden (blonden) Frauen hinterher zischen und denen man daher am liebsten aus dem Weg geht. Aber alle verhalten sich als sei diese Veränderung etwas völlig alltägliches und das Leben geht seinen gewohnten Gang. Insofern scheint es wohl es wohl keinen Grund für Sorgen zu geben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen