Montag, 11. Oktober 2010

Eine Woche Improvisationstraining

Die erste Arbeitswoche ist überstanden. Eine Woche voller Eindrücke, so dass mir jeden Tag nach der Arbeit der Kopf brummte. Eine Woche gezeichnet von schmerzenden Wangenmuskeln, weil ich so viel gelacht habe.



 Als ich mich vor zwei Wochen zum ersten Mal mit den Leitern meiner Organisation getroffen habe, bin ich mit dem Fazit nach Hause gegangen, die Kinder der Fundacion Arboledas in Geige, Musik, Theater, Klavier, Englisch und Deutsch zu unterrichten. Mein Stundenplan sah am folgenden Sonntag jedoch schon wieder anders aus: Montags bis Donnerstags soll ich zwölf Gruppen mit fünf bis fünfzehn Kindern jeweils in Englisch und Musiktheorie unterrichten. Fünf Gruppen soll ich außerdem im Geigenunterricht begleiten. Die tägliche Arbeitszeit geht von 8.00-17.00 Uhr.
Mit diesem Wissen begann ich meinen ersten Arbeitstag. Kaum genug, um vernünftigen Unterricht zu halten, aber dennoch mehr, als irgendeiner meiner Mit-Freiwilligen über seine bevorstehenden Aufgaben wusste.
Die Woche war also eine reine Improvisationsübung. Ich wusste weder etwas über Alter und Vorkenntnisse der Kinder, noch was genau ich Ihnen beibringen sollte, noch sonst irgendetwas über die Umstände und Funktionsweise der Institution. Aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht!!!


Es war völlig anders als erwartet: ich stand von Anfang an alleine vor den Kindern und sollte sie unterrichten. Vorbereitet war ich darauf, erst einmal ungefähr einen Monat in der Institution mitzulaufen, um mich einzufinden, meinen Platz und meine Aufgaben zu suchen. Des Weiteren hatte ich nicht erwartet, dass mir auch nur ein einziges Kind zuhört und mich als Autoritätsperson anerkennt. Daher bin ich auch nicht davon ausgegangen, überhaupt Unterricht halten zu können.
In Wirklichkeit lernte ich aber ungewöhnlich interessierte, fröhliche, aufgeschlossene, liebe und eher schüchterne Kinder kennen. Sie folgten auf’s Wort, begrüßten mich im Englischunterricht mit „Good morning, teacher! How are you?“, und verabschiedeten sich nach der Stunde mit Wangenkuss und fröhlichem „Ciao, profe! Gracias, profe!“.
Am dritten Tag bekam ich die erste Geheimpost… „Julia te quiero“, ein Baum, ein Mädchen, eine Wolke. Bleistift auf einer aus dem linierten Schulheft ausgerissenen Seite.


Nun war Kreativität gefordert um aus dem Stehgreif sinnvollen Unterricht zu zaubern. Da ich nichts über die Kinder wusste, fing ich im Englischunterricht meist mit Steckbrieffragen an. Als schöne Variante zum Namenlernen stellte sich auch „Mein rechter rechter Platz ist frei“ heraus. Bis alle den englischen Satz aussprechen konnten war die Stunde normaler Weise um. Dadurch war ich am Ende der Woche um einige Erkenntnisse reicher: die Kinder haben in Englisch kaum Vorkenntnisse und wenn, nur theoretische. Praktisch versteht keines den langsam ausgesprochenen Satz „Do you understand me when I speak English?“, selbst wenn sie jedes einzelne Wort kennen. Besondere Schwierigkeiten scheinen sie auch darin zu haben, sich Dinge zu merken. Liegt es an mangelnder Konzentration, zu wenig gedanklicher Praxis, zu viel Fernsehen, Überforderung durch andere soziale Probleme? Ich weiß es nicht.


Im Musikunterricht habe ich meist ebenso bei Null angefangen. Notenschlüssel malen, die Noten der ersten Lage auf der Geige, in fortgeschrittenen Gruppen die Intervalle. Lediglich als ich das Orchester unterrichten sollte, war ich völlig hilflos. Ihnen habe ich nicht viel voraus. So habe ich die Musikstunde kurzer Hand in eine Orchesterprobe umgewandelt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Kinder zwar wunderbar spielen, aber nicht eines seine Geige stimmen kann. So haben wir an Ausdruck, Intonation und gegenseitiger Aufmerksamkeit gearbeitet.
Auch im Englischunterricht stellt diese Gruppe das größte Problem dar: sie besteht aus Kindern der vierten bis zehnten Klasse. Entsprechend unterschiedlich ist der Kenntnisstand. Bisher habe ich keinen Schimmer, wie ich sie alle unter einen Hut bringe.
So bleibt es vorerst spannend und mir noch die ein oder andere Nuss zu knacken…

Sonntag, 3. Oktober 2010

Bilder

Besichtigung der Einsatzplätze


Bauen mit Guadua in Montebello


 Natur und Landschaft